ADS/ADHS ist kein Ritalinmangel
Wie entsteht ADS/ADHS? Was ist ADS/ADHS? (Aufmerksamkeits-Defizit-Sydrom)
(Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung)
Über die genaue Entstehung von ADS/ADHS sind sich die
Wissenschaftler noch nicht ganz einig. Es konnte aber in zwischen festgestellt
werden welche Faktoren maßgeblich an der Entstehung von ADS/ADHS beteiligt sind.
Diese Faktoren sind:
- äußere Faktoren in der Entwicklungsgeschichte eines Kindes
- Vererbung
- Neurobiologische Störungen (Störungen im Hirnstoffwechsel)
Wie genau diese Faktoren zusammenhängen konnte bis her noch
nicht eindeutig geklärt werden.
Bei meiner Arbeit mit Kinder welche ADS/ADHS aufwiesen, war bis jetzt nicht nur
ein Aufmerksamkeitsdefizit sondern auch ein Bindungsdefizit vorhanden. Dieses
Bindungsdefizit findet sehr oft schon in der Schwangerschaft statt. Also vom 1.
bis zum 9. Monat in der Schwangerschaft. Probleme kann es auch bei der Geburt
geben. Sehr oft findet auch in den ersten Wochen nach der Geburt die Bindung
nicht statt. Ein Bindungsdefizit weist dieselben Symptome wie ADS oder ADHS auf.
Es kann viele Gründe geben, wieso eine Bindung nicht stattfindet.
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und Beratung
Liste der
Auffälligkeiten bei ADS/ADHS
- Hyperaktivität und Ruhelosigkeit
- verbale Hyperaktivität (Ideen- und Redefluss)
- Bauchbeschwerden und Schlafschwierigkeiten als Frühmanifestation
- mangelnde Koordinationsfähigkeit (Balanceschwierigkeiten)
- visuell-motorische Koordinationsschwierigkeiten
- minimale Aufmerksamkeitsspanne
- geringe Konzentrationsfähigkeit
- große Ablenkbarkeit- Neigung zu ständigen Wiederholungen
- Lernschwierigkeiten (vorwiegend Lese- und Rechtschreibstörungen)
- niedrige Frustrationstoleranz
- antisoziale Verhaltensweisen (Destruktion, Lügen Stehlen, Brandstiftung,
sexuelle Entgleisungen usw. )
- auffallende Resistenz gegenüber sozialen Einflüssen
- Bindungsunsicherheit
- Extroversion
- Distanzlosigkeit
- erhöhte psychische Labilität
- mangelnde Impulskontrolle ( erhöhte Aggressivität)
- gestörte Reaktivität
Prävention von ADS/ADHS: Umsichtig vorbeugen
Sorgen Sie für Beruhigung und Bindungssicherheit
Beispiel: Frühgeborenes Kind kommt in den
Brutkasten
Der Entwicklung von Stimulationsabhängigkeit vorbeugen
Beispiel: Erstes Kind stirbt an Kindstod
(SIDS). Mit dem zweiten Kind wird sehr vorsichtig umgegangen.
In der kindlichen Umgebung sind all jene Umstände zu vermeiden, die eine sichere
Bindung zwischen Kind und Mutter bzw. den Bezugspersonen beeinträchtigen
könnten. Dazu ist es hilfreich, dass die Eltern auch gut für sich sorgen: Mutter
und Vater müssen beachten, dass ihre Kräfte erschöpfbar sind. Vollkommen
„ausgepumpt“ wird ihre Feinfühligkeit darunter leiden, und darauf wird das Kind
mit vermehrten Anstrengungen reagieren, um die ungeteilte Aufmerksamkeit der
Eltern noch nachhaltiger einzufordern.
Handelnde Erziehung einsetzen
Beispiel: Kinder tun normalerweise das, was
die Eltern sagen. Allerdings meistens nur bis zum Einsetzen der Trotzphase.
(Warum - Fragen von Kindern)
Erziehung mit Grenzen und Regeln – Männer, welche brutal erzogen worden sind,
wollen es meist besser machen.
Die Welt der Kinder und die Welt der Erwachsenen unterscheiden
Beispiel: Enge Wohnverhältnisse, familiärer
Stress oder Überbelastung der Eltern konfrontieren auch ein Kind mit schwer
verdaulichen Informationen und beteiligen es an irritierenden
Konfliktstimmungen. Ein reizoffenes und empfindsames Kind kann diese Einflüsse
kaum bewältigen. (Wohnung ist auch Arbeitsplatz)
Kinder vor Überlastenden Erfahrungen schützen
Beispiel: Ein Kind hat einen eingeschränkten
Fernsehkonsum. Nach einem Fernsehnachmittag bei einem Freund dauert es zwei Tage
bis es wieder ins Lot kommt.
Praktische und seelische Verfügbarkeit der Eltern
gewährleisten
Beispiel: Aktuelle Probleme in der Erziehung und der Schule. Eltern haben
Probleme mit der Herkunftsfamilien nicht aufgearbeitet oder sie stehen jeden Tag
auf der Tagesordnung.
(Oma kritisiert die Eltern und deren Erziehung)
Fallbeispiel: Handelnde Erziehung
Die sechsjährige Christiane bietet das
gesamte ADHS-Spektrum. Dabei imponiert sie als sehr intelligent und feinfühlig.
Sie hatte schon vor dem ersten Lebensjahr ein über durchschnittlich weit
entwickeltes Sprachverständnis und konnte mit zwei Jahren fehlerfrei
komplizierte Sätze sprechen. Mit Einsetzen de Trotzperiode reagierte sie nur
noch eingeschränkt und widerstrebend auf die Erziehungsbemühungen der Eltern,
die mit großer Freude und auch Stolz auf ihr offensichtlich gut begabtes und
stets an Neuem interessiertes Töchterchen blickten. Christiane schien zu
beanspruchen, dass jedermann sich der Verfolgung ihrer eigenen Interessen
unterordnet. Die Eltern mochten sagen, was sie wollten Christiane war von ihren
Absichten nicht abzubringen. Trotz nachweislich hoher
Intelligenz musste sie die erste
Grundschulklasse wieder verlassen. Sie zeigte sich nicht dazu bereit, die in der
Schule geltenden Regeln zu befolgen. Zu Hause ereignete sich allabendlich ein
Drama. Nach dem Abendessen sollte Christiane ins Bad gehen und sich bettfertig
machen. Sie ging aber nicht. Sie hatte noch dies und das zu tun. Auch nach
zahlreichen wiederholten Aufforderungen durch die Mutter, die sich nach dem sehr
anstrengenden Tag nun endlich ausruhen wollte blieb sie bei Ihrem Spiel. Der
Vater hatte sich bereits an seinem PC-Arbeitsplatz in der Wohnung begeben und
wartete auf die ersehnte Ruhe, damit er die noch anstehenden Arbeiten für seine
berufliche Weiterqualifikation erledigen konnte. Aber Christiane lief in der
Wohnung herum und das um so hektischer, je später es wurde. Schließlich platzte
dem Vater der Kragen. Mit lautstarken Vorwürfen an die Mutter ergriff er seine
nun schreiende Tochter und schaffte sie ins Kinderzimmer. Christiane blieb
jedoch nicht darin, kam zigmal wieder und verlangte schließlich, im Bett der
Eltern schlafen zu dürfen. Erschöpft ging auch die Mutter wenig später zu Bett,
während der Vater die verbleibende Stunde nutzte und sich dann im Kinderzimmer
zur Nacht einquartierte.
In der Beratung wollen die Eltern zunächst dieses allabendliche Drama beenden
wissen. Im Verlauf mehrerer Sitzungen entsprechend vorbereitet und instruiert
stehen beide Eltern ohne Ankündigung vom Tisch auf nehmen beide ihre Tochter bei
der Hand. Sie führen Sie wortlos und ruhig ohne jede Heftigkeit ins Bad, sorgen
dort beide für die Abendtoilette und bringen Christiane zu Bett. Zu ihrer beider
Überraschung nimmt ihre Tochter die gemeinsame Aktivität der Eltern an. Ohne
jede weitere Anleitung übertragen die Eltern diesen wortarmen Erziehungsstil mit
gutem Erfolg auf andere Situationen am Tage, die das Setzen von Grenzen und
Einhalten von Regeln verlangen. Die Mutter genießt den Zeitgewinn, zu dem er
trotz seiner erzieherischen Mitwirkung gelangt, freut sich auf sein eigenes
Bett. Die Beruhigung des Mädchens wirkt sich auch auf die Situation in der
Vorschule aus, so dass die reguläre Einschulung ins Auge gefasst werden kann.
Liste von
unangenehme Gefühle, welche bei ADS/ADHS auftreten können:
Beim Kind entsteht so etwas wie "Ein Durcheinander im Kopf"
Angst,
Enge
Wut, Ärger, Empörung, genervt sein
Trauer
Anpassung
Hilflosigkeit, Ohnmacht
Wertlosigkeit
Schuldgefühle, Verantwortung
Scham, Kränkung, Beleidigung
Verlustangst, Kontrollverlust
Ausgeliefert sein
Schock, Schreck
Protest
Trennung, nicht Verbunden sein
Nicht fühlen
Einsamkeit
Ohne Liebe
Verwirrung, „falscher Film“
Beschmutzt sein
Ekel, Hass, Abscheu
Widerwille, Grusel
Desinteresse, Emotionale
Kälte
Frustration
Enttäuschung
Verlassenheit
Minderwertigkeit
mangelndes Vertrauen
Lustlosigkeit
Verunsicherung
nicht gut zu hören, Lärm im Kopf
Schrecken
dumpfe Benommenheit
Persönlichkeitsverlust
sinnlos
Langeweile/Unterforderung
Überfordert
neben sich stehen
unendliche Anstrengung
Fall ins Bodenlose
Ganz tief unten
undeutlich und kaum spürbar ist das Ziel
Ich muss überleben
Zerbrochenheit
ADS/ADHS
verstehen, vorbeugen und behandeln (Vortrag)
Sie bekommen Tipps, wie
Sie umsichtig vorbeugen können und sollte ADS/ADHS vorhanden sein, wie Sie aktiv
mit Ihrem Kind arbeiten können, damit Sie wieder mehr Lebensqualität haben.
Vielleicht aber das Wichtigste, zu verstehen, was im Kind vor sich geht, welches
ADS oder ADHS hat.
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ADHS-Behandlung: Ritalin & Co nur noch zweite
Wahl
24.09.2010: Neue Vorschriften für die Verordnung
von Methylphenidat
Bei der Behandlung von ADHS-Kindern darf nicht mehr zuerst ein
Medikament mit dem Wirkstoff Methylphenidat verordnet werden. Das
hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) am 16. September
beschlossen. Danach ist es unzulässig, Kinder, die an einer
Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung (ADHS) erkrankt
sind, sofort medikamentös zu behandeln.
"Was alle Experten schon lange wissen und fordern, ist jetzt auch
per Richtlinie festgelegt: ADHS-Kinder brauchen Spezialisten für
Verhaltensstörungen, damit eine Behandlung erfolgreich ist", stellt
Peter Lehndorfer, Vorstand der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK),
fest. "Der G-BA hat damit der fahrlässigen Verordnung von Ritalin &
Co einen Riegel vorgeschoben."
Die Diagnose und Behandlung von ADHS bei Kindern und Jugendlichen
weist seit Jahren gravierende Mängel auf. "ADHS wird vorschnell
diagnostiziert und einseitig medikamentös behandelt", kritisiert
BPtK-Vorstand Lehndorfer. Von 1997 bis 2006 stieg die Menge der
verordneten Tagesdosen um das zehnfache. Jetzt hat der G-BA die
Kriterien für eine bessere Diagnose und Behandlung festgelegt. Die
geänderte Arzneimittel-Richtlinie schreibt jetzt vor, dass
-
eine Behandlung von ADHS ohne Medikamente beginnen muss,
-
Methylphenidat erst dann eingesetzt werden darf, wenn die
nicht-medikamentöse Behandlung nicht erfolgreich ist,
-
Methylphenidat auch dann nur innerhalb einer therapeutischen
multimodalen Gesamtstrategie eingesetzt werden darf, die neben
pharmakologischen Maßnahmen insbesondere auch psychologische,
pädagogische und soziale Therapiekonzepte nutzt,
-
die Behandlung unter Aufsicht eines Spezialisten für
Verhaltensstörungen bei Kindern durchgeführt werden muss,
-
der medikamentöse Einsatz besonders zu dokumentieren ist,
insbesondere bei einer Dauertherapie über zwölf Monate,
-
mindestens einmal jährlich die medikamentöse Behandlung
unterbrochen und neu beurteilt werden muss,
-
die ADHS-Diagnose auf Kriterien der DSM-IV oder der
ICD-10-Klassifikation beruhen muss.
"ADHS ist damit keine Domäne der Arzneimitteltherapie mehr",
fasst Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut Peter Lehndorfer die
neuen Vorschriften zusammen, nach denen Methylphenidat verschrieben
werden darf. "Bei der Diagnose von ADHS reicht es nicht mehr, ein
oder zwei Symptome festzustellen und dann zum Rezeptblock zu
greifen. Nutzen und Risiken einer medikamentösen Behandlung müssen
jetzt sehr viel sorgfältiger beachtet werden." Als Nebenwirkungen
von Methylphenidat treten auf: Schlafstörungen, Appetitlosigkeit,
emotionale Labilität ("Weinerlichkeit") und langfristig ein
geringeres Körperwachstum. "Nun besteht allerdings die Gefahr, dass
auf andere Wirkstoffe, insbesondere Atomoxetin ("Stratera"),
umgestiegen wird", warnt BPtK-Vorstand Lehndorfer. "Dabei hat der
Hersteller selbst schon auf ein erhöhtes Suizidrisiko bei der
Einnahme von Atomoxetin hingewiesen."
ADHS ist eine der häufigsten Verhaltensstörungen im Kinderalter.
ADHS wird derzeit bei rund fünf Prozent der Kinder und Jugendlichen
in Deutschland diagnostiziert (KiGGS, 2007). Viele Auffälligkeiten
von ADHS-Kindern lassen sich bis ins Säuglings- und Kleinkindalter
zurückverfolgen. Viele hatten bereits im frühesten Alter Ess- oder
Schlafprobleme ("Schreibabys"). Ernste Schwierigkeiten tauchen
jedoch meist erst mit der Einschulung auf, weil sich die Kinder
kürzer als andere konzentrieren und sich leichter ablenken lassen.
Jüngste US-amerikanische Studien weisen jedoch darauf hin, dass vor
allem die jüngeren Kinder in einer Klasse eine ADHS-Diagnose
erhalten. "Kinder entwickeln sich sehr unterschiedlich", betont
BPtK-Vorstand Lehndorfer. "Jüngere Kinder sind selbstverständlich
unruhiger als ihre älteren Klassenkameraden. Sie dürfen deshalb
nicht als krank diagnostiziert werden." Liegt jedoch ADHS vor,
reicht eine einseitige medikamentöse Behandlung nicht aus.
Leitlinien (z. B. NICE Clinical Guideline, 2009) empfehlen eine
multimodale ADHS-Therapie. Diese umfasst
-
Aufklärung und Beratung der Eltern, des Kindes oder Jugendlichen
und der Erzieher bzw. Lehrer,
-
Elterntraining und Familientherapie,
-
Interventionen im Kindergarten oder in der Schule,
-
Psychotherapie des Kindes oder Jugendlichen,
-
Pharmakotherapie unter sorgfältiger Abwägung des Nutzens und der
Risiken.
"Nun sollte die Chance genutzt werden, bei der Diagnostik und
Behandlung der ADHS stärker auf die Kompetenzen von Kinder- und
Jugendlichenpsychotherapeuten zurückzugreifen", empfiehlt Lehndorfer.
"Die Kooperation zwischen Kinderärzten und Psychotherapeuten sollte
deutlich intensiviert werden, damit die Schwere der Symptomatik von
unruhigen Kindern richtig eingeschätzt wird und auch im Falle einer
medikamentösen Mitbehandlung die Expertise der Psychotherapeuten bei
der Beurteilung des Krankheitsverlaufs einfließt."
Der G-BA folgt mit der Änderung der Verordnungsfähigkeit von
Methylphenidat-haltigen Arzneimitteln in der Arzneimittelrichtlinie
einer Entscheidung der Europäischen Kommission vom 27. Mai 2009 und
der Zulassungseinschränkung durch das Bundesinstitut für
Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) mit Wirkung zum 1.
September 2009.