Die Geschichte von den zwei Fröschen
Zwei Frösche hatten sich eines Nachts auf den Weg
gemacht. Sie wollten ihre nähere oder entfernte Umgebung erkunden,
um neue und interessante Dinge zu lernen. Sie genossen die kühle
Nachtluft an ihren glatten Körpern. Wenn sie hüpften, hörte man das
Platschen ihrer Füße. Der Mond beleuchtete ihren schmalen Pfad.
Unerwartet befanden sich die beiden Frösche vor einer Tür, die
einladend offen stand. Neugierig hüpften sie in einen kühlen Raum,
auf dessen gekacheltem Boden mehrere Tonkrüge standen.
Ohne lange nachzudenken, sprang ein Frosch, nennen wir ihn Pitsch,
auf einen der Krüge. Viel zu spät bemerkte er, dass der Krug keinen
Deckel hatte, und er landete in einer weißen sahnigen Flüssigkeit.
Patsch, der andere Frosch, hörte das Platschen, und da Frösche ein
gutes Herz haben, sprang er sofort nach, um zu helfen. Manchmal ist
es so, das Gefühl ist stärker als der Verstand.
Bekanntlich können Frösche gut schwimmen, obwohl sie nicht wissen,
dass das eine besondere Fähigkeit ist. Aber so ist es mit allen
Lebewesen. Sie haben besondere Fähigkeiten, ob ihnen das bewusst ist
oder nicht. Zuerst machte ihnen das Schwimmen Spaß. Sie schleckten
von der süßen Sahne und blickten nach oben, wo das Mondlicht zum
Träumen verführte. Bald aber wurden sie müde. "Ich kann nicht mehr",
keuchte Pitsch. "Hier kommen wir nie heraus. Es hat keinen Sinn."
Patsch schwamm an die Seite von Pitsch. "Du hast Recht, es sieht
schwierig aus. Die Wände sind hoch und glatt. Aber denk mal, wie
schön das Leben in unserem Froschteich ist, wenn wir alle zusammen
sind, wenn wir gemeinsam singen und uns freuen, dass wir leben."
Pitsch schöpfte Hoffnung. "Ich will auch leben", sagte er. "Wie
sollen wir aber rauskommen? Ich kann denken, soviel ich will, ich
sehe keine Lösung."
"Wenn es darauf ankommt", überlegte Patsch laut, "findet man häufig
intuitiv die richtige Lösung. Ich hatte mal einen Traum. Vor
Millionen von Jahren waren unsere Vorfahren noch größer als wir, und
sie konnten noch nicht so gut denken. Aber sie haben trotzdem
überlebt, auch wenn es damals sehr gefährlich war und nicht sehr
angenehm auf der Welt. So ungefähr wie jetzt bei uns im Krug. Und
weißt du, was unser Urahn mir im Traum gesagt hat? Für jedes Problem
gibt es eine Lösung. Tief in uns wissen wir die Lösung. Es findet
sich immer ein Weg, wenn man nicht aufgibt. Kommt Zeit, kommt Rat!"
Die Frösche strampelten weiter. Als nach einiger Zeit Patsch keine
Kraft mehr hatte, redete Pitsch ihm zu. "Wozu haben wir uns so lange
abgemüht, wenn du jetzt aufhören willst? Weißt du noch, wie es
damals war, als der Storch uns auflauerte und du ihn immer wieder
geschickt und mutig von der Familie weggelockt hast?"
So sprachen sie sich gegenseitig Mut zu, und die Erinnerung an
vergangene Zeiten, als es ihnen gelang, auch in ausweglos
erscheinenden Lagen zu überleben, gab ihnen neue Energie.
Endlich graute der Morgen. Und als die ersten Sonnenstrahlen durch
das Fenster lugten, spürten die beiden Frösche plötzlich etwas
Festes unter ihren Füßen. Sie saßen auf einem großen Klumpen Butter,
den sie selbst, ohne sich dessen bewusst zu sein, mit ihren Füßen
geschaffen hatten. Sie waren glücklich, dass sie lebten, und dankbar
für die Erfahrung dieser Nacht, die ihr zukünftiges Leben prägen
würde.
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