Vielleicht haben Sie schon
viel über Legasthenie gelesen und etliches auch ausprobiert. Menschen
mit Lese- und Rechtschreibschwäche haben einfach eine andere Strategie, wie Sie Wörter schreiben. Und jetzt frage
ich Sie, wissen Sie, wie Sie (Recht) schreiben? Also nach Duden? Sie haben keine
Ahnung, wie Sie das machen. Einzige Aufgabe ist es, den Menschen mit Legasthenie
die Strategie beizubringen, welche Sie intuitiv benutzen.
- Sie lernen, sich der Denkprozesse, die sie beim Lesen und Schreiben
einsetzen,
bewusst zu werden
- Sie erfahren, wie sich sichere Rechtschreiber ihre Denkprozesse zunutze machen
- und wie sie selbst diese effektiven Lernstrategien erfolgreich anwenden können
Schritte zum Verändern der Lese- und Rechtschreibschwäche / Legasthenie-Übungen:
1. Kontrollieren Sie, ob das Kind auditiv oder visuell erinnert. Sollte es
auditiv erinnern, dann
machen Sie die Übung mit den Karten, welche
Sie dem Kind rechts oben hinhalten.
2. Wenn ihr Kind ins visuelle Erinnern geht, stellen Sie fest, ob die
Wortbilder, egal ob richtig
oder falsche Schreibweise stabil auf dem inneren Bildschirm
bleiben. Wenn nicht, dann
stabilisieren Sie zunächst das Wortbild.
3. Kontrollieren Sie jetzt, ob
nur ein Wortbild oder mehrere Wortbilder auf dem Bildschirm sind.
Wenn mehrere Wortbilder darauf sind, finden Sie heraus,
welches Wortbild das richtige ist und
welche Unterschiede es zu den anderen gibt.
4. Lassen Sie die
Fehlschreibungen von dem Bildschirm entfernen. Technik Insel oder
Schwimmbad … Stellen Sie sicher, dass die Fehlschreibungen dort bleiben
wollen
= Ökologischer Check. Das machen Sie mit ca. 5 Wörtern am
Tag.
5. Automatisierung der
Fehlschreiblöschungen.
5 Minuten jeden Tag lesen und dabei soll der Innere
Beobachter mitlesen und wenn er ein Wort
entdeckt, dass nicht so im Duden steht, soll er das selbe
machen wie im 4. Punkt erwähnt.
Während Sie dem Kind die Strategie beibringen, kann es passieren, dass auf einmal ein
Stillstand eintritt oder es zu Rückfällen kommt. Dann ist meist ein
Wertekonflikt gegeben. (z. B. Wert Zugehörigkeit ist nicht mehr erfüllt) Oder es
kommen Glaubenssätze nach oben, welche die Strategien verhindern. (Sätze wie:
Ich bin wie Papa / Papa hatte auch Schwierigkeiten usw.)
Oder Gefühle kommen hoch, welche das Kind nicht deuten kann.
Liste von
unangenehme Gefühle, welche bei Legasthenie auftreten können:
Beim Kind entsteht so etwas wie "Ein Durcheinander im Kopf"
= mehrere Gefühle auf einmal
Angst,
Enge
Wut, Ärger, Empörung, genervt sein, Zorn
Trauer
Anpassung
Hilflosigkeit, Ohnmacht
Wertlosigkeit
Schuldgefühle, Verantwortung
Scham, Kränkung, Beleidigung
Verlustangst, Kontrollverlust
Ausgeliefert sein
Schock, Schreck
Protest
Trennung, nicht Verbunden sein
Nicht fühlen
Einsamkeit
Ohne Liebe
Verwirrung, „falscher Film“
Beschmutzt sein
Ekel, Hass, Abscheu
Widerwille, Grusel
Desinteresse, Emotionale
Kälte
Frustration
Enttäuschung
Verlassenheit
Minderwertigkeit
mangelndes Vertrauen
Lustlosigkeit
Verunsicherung
nicht gut zu hören, Lärm im Kopf
Schrecken
dumpfe Benommenheit
Persönlichkeitsverlust
sinnlos
Langeweile/Unterforderung
Überfordert
neben sich stehen
unendliche Anstrengung
Fall ins Bodenlose
Ganz tief unten
undeutlich und kaum spürbar ist das Ziel
Ich muss überleben
Zerbrochenheit
Verzweiflung
Ist LRS bzw. Legasthenie eine Krankheit oder ein Defizit des Kindes?
Ich halte wenig davon, LRS oder Legasthenie als erbliche Veranlagung zu
klassifizieren. Der unselige Trend in Deutschland, vorwiegend
krankheitsorientiert zu argumentieren und zu therapieren, hat zur Folge, dass
Kindern, die mit der Vermittlung des Lesens und Schreibens im bestehenden
Schulsystem nicht klarkommen, ständig neue Krankheiten zugeordnet werden. Vor
einigen Jahren wurde unter großem Medienecho ein Chromosom Nr. 15 (C15)
identifiziert, das für eine „genetisch veranlagte Legasthenie“ verantwortlich
sein soll. Nach dieser Lehre gebe es für Betroffene, bei denen C15 nachgewiesen
werde, so gut wie keine Heilungschancen. Kinder mit LRS werden so vor allem für
die Eltern und Lehrkräfte zu hoffnungslosen Fällen abgestempelt. Dementsprechend
herrscht weitgehend die falsche Vorstellung, Rechtschreibprobleme seien, wenn
überhaupt, nur in langwieriger Therapie zu beheben.
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